Auf diesen Seiten möchte ich einmal zeigen, wie mit Hilfe von PanoTools, Hugin und Enblend ein Szenerie-Panorama für den Reflex XTR Simulator entsteht.
Zunächst
solltet ihr euch mit der Aufnahme der Bilder befassen, hier empfehle
ich den Panorama-Worshop
bei Digitalkamera.de.
Ich mache immer 48 Bilder, 4 Reihen mit je 12 Bildern, in der
Brennweite 35mm bezogen auf Kleinbildkameras (Weitwinkel). Daraus
ergibt sich ein horizontaler Versatz von 30°. Vertikal wähle ich 35°
Versatz, 0° (Waagerecht) -35°, +35° und +70° (naja, jedenfalls so
ungefähr...). In der oberen (+70°) Reihe reicht eigendlich auch jedes
zweite Bild:
In der Vertikalen wird nur ein Bildbereich von 135° benötigt, da der Reflex XTR den unteren Bereich “um die Füße” nicht darstellt. Für ein echtes 360° x 180° Vollpanorama müßte noch eine Reihe bei -70° aufgenommen werden, sowie ein Nadirbild (senkrecht nach unten, um später das Stativ wegretuschieren zu können).
Jetzt ist es aber höchste Zeit, die benötigte Software zu beschaffen:
- Panorama Tools von Helmut Dersch, zum Bilder verbiegen
- Hugin, das GUI für die Panorama Tools
- Enblend zum sauberen Überblenden der verbogenen Bilder
- und natürlich Irfan View, um die Bilder vozubereiten
Bevor die Bilder in Hugin geladen werden, müssen sie “von Hand” gedreht werden, da Hugin diese Information nicht den EXIF-Daten entnimmt.
Vorsicht Falle:
Irfan View liest die EXIF-Informationen und stellt die Bilder
entsprechend gedreht dar,
obwohl die Datei noch ungedreht ist!
Die Dreherei bewerkstelligt man Idealerweise mit den verlustfreien JPEG- Operationen von Irfan View (Shift+J) oder mit Hilfe der Batchkonvertierung.

Nun betritt der Rabe Hugin, Begleiter von Odin, die Bühne - äh - den Desktop und die Bilder können geladen werden (Reiter “Images”, “Add individual images...”):

Danach kann man die groben Werte für Yaw (besser bekannt als Gierwinkel) und Pitch für jedes Bild eintragen und nach Klick auf “Preview” das Vorschaufenster öffnen und noch einem Klick auf “Update” sein vorläufiges Werk bewundern:

Uhijuhijuhi, da liegt ja noch einiges im Argen! Also weiter mit dem nächsten Reiter “Camera and Lens”. Hier ist eigentlich nicht viel zu tun, einfach das 1. Bild markieren und einmal auf “Load EXIF” klicken (dabei sollte “Inherit” = erben überall angehakt sein, damit die Einstellungen für alle Bilder übernommen werden). Der “Lens Type” sollte auf “normal (rectilinear)” stehen und das war’s auch schon:

Und weiter geht’s im Schweinsgalopp zum nächsten Reiter “Control Points”, welcher sich alsbald als die größte Hürde zum perfekten Panorama erweist, denn hier müssen die Bilder miteinander verknüpft werden. Dieses geschied indem in der Überberlappung zweier benachbarter Bilder Gemeinsamkeiten mit einem Punkt markiert werden. Drei einigermaßen weit voneinander entfernte Punkte pro Bildpaar reichen völlig aus, dabei darf man nicht die Punkte zwischen dem Ersten und dem letzten Bild einer Reihe sowie die Punkte zwischen den Spaltennachbarn vergessen! “auto fine-tune” und “auto estimate” sollten angehakt sein, “auto add” ist Geschmacksache.

Jetzt ist der Reiter “Optimizer” an der Reihe. Hier wird nur der “Quick Optimizer” benötigt, und zwar “Optimize Everything”. Ein Klick auf “Optimize now!” und kurze Zeit später liegt das Ergebnis vor:

Durch Klick auf “Preview” und “Update” kann man sich jetzt das optimierte Ergebnis auch grafisch ansehen:

Zu guter Letzt kommt der Reiter “Sticher” an die Reihe. Hier muß die Panoramabreite mit 8160 Pixeln eingegeben werden (für Reflex) und als “Image Format” muß “Multiple TIFF” gewählt werden (für Enblend). Ein Klick auf “Stitch now!” und los geht’s. Hugin berechnet jetzt 48 TIFF-Bilder mit je ~70MB.

Die 48 von Hugin erzeugten TIFF-Bilder müssen nun dem Überblendungstool Enblend angereicht werden. Da Enblend kein GUI (grafische Benutzeroberfläche) besitzt müssen die Parameter und die Dateinamen der 48 Bilder per Kommando- zeile an das Programm übergeben werden:
enblend -v -o bild.tif bild0001.tif bild002.tif usw. bis bild0047.tif
Da dies ein recht mühsames Verfahren ist, habe ich mir eine Batchdatei mit nur einer einzigen Befehlszeile geschrieben:
enblend -v -o Schne.tif Schne0000.tif Schne0001.tif Schne0002.tif Schne0003.tif Schne0004.tif Schne0005.tif Schne0006.tifSchne0007.tif Schne0008.tif Schne0009.tif Schne0010.tif Schne0011.tif Schne0012.tif Schne0013.tif Schne0014.tif
Schne0015.tif Schne0016.tif Schne0017.tif Schne0018.tif Schne0019.tif Schne0020.tif Schne0021.tif Schne0022.tif
Schne0023.tif Schne0024.tif Schne0025.tif Schne0026.tif Schne0027.tif Schne0028.tif Schne0029.tif Schne0030.tif
Schne0031.tif Schne0032.tif Schne0033.tif Schne0034.tif Schne0035.tif Schne0036.tif Schne0037.tif Schne0038.tif
Schne0039.tif Schne0040.tif Schne0041.tif Schne0042.tif Schne0043.tif Schne0044.tif Schne0045.tif Schne0046.tif
Schne0047.tif
Diese
Batch kann recht einfach per Suchen & Ersetzen an jedes
Panoramaprojekt angepasst werden.
Der Überblendvorgang nimmt recht viel Zeit in Anspruch (abhängig von
der Anzahl der Bilder und deren Auflösung), bei 48 Bildern in
Reflex-Auflösung auf einem 3GHz Pentium 4 mit 512MB Ram können schon
mal 45 Minuten ins Land gehen.
Danach wird man jedoch durch das hervorragende Ergebnis voll
entschädigt! Jetzt
muß das fertige Panorama noch auf die Reflex-Maße beschnitten werden,
dabei hilft wie so oft Irfan View. Hier werden unter “Bearbeiten”
-> “Spezielle Markierung erstellen” die bekannten Maße (0/0,
8160/3060) eingetragen und anschließend durch “Bearbeiten” ->
“Freistellen” das Bild beschnitten.

Jetzt wird das Panorama noch als “S1.jpg” oder “S2.jpg” oder sonstwie gespeichert und die Szenerieerstellung mit dem RSK kann beginnen.

Nachtrag 02.2008:
Mittlerweile ist diese Anleitung etwas veraltet, es sind zwischenzeitlich mehrere neue Versionen von Hugin erschienen, daruter auch deutschsprachige. Ich benutze Hugin schon lange nicht mehr, sondern PTgui von Joost Nieuwenhuijse, weil damit die Panoerstellung doch nocheinmal deutlich vereinfacht und vor allem erheblich beschleunigt wird. So dauert es z.B. von der Bilderserie bis zum ersten komplett gestitchten und überblendeten Pano (allerdings ohne Feinarbeiten) nur ca. 15 Minuten!
Trotzdem ist diese Anleitung im großen Ganzen noch gültig und zeigt sehr schön den Workflow bei der Erstellung mehrreihiger Panoramen.

Panorama-how-to